Ökotourismus – Chance oder bloße Floskel?
18. Aug 2008
Seitdem bei den Menschen durch die umfassenden Aufklärungsmaßnahmen im Bereich Klima und Umwelt eine Art Umdenken statt gefunden zu haben scheint, fallen auch immer wieder Begriffe, deren genauere Bedeutung sich einem erst beim wiederholten, genauen Hinhören erschließt. Der so genannte Ökotourismus ist einer von ihnen. Unter Ökotourismus versteht man eine besonders bewußte und sanfte Art des Reisens, bei der die Reisenden lernen sollen, mit ihrer Umwelt und auch der Bevölkerung am Urlaubsort rücksichtsvoll umzugehen. Mehr noch, die Touristen können mit ihrer Reise einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz in der ausgewählten Region, als auch zum Wohlergehen der Bevölkerung beitragen.
Der Nordwesten Madagaskars beispielsweise war einst von wuchtigen Krokodilbäumen, seltenen Geckos und vom Aussterben bedrohten Schildkröten bevölkert, darunter Arten, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt. Da dieses Wald- und Savannengebiet - im Nationalpark von Ankarafantsika gelegen - damals für die von der Armut bedrohten Reisbauern eine wichtige Quelle für Wasser und Brennholz darstellte, wären die Tiere beinahe aus ihrer Heimat vertrieben worden, wenn die Leitung des Nationalparks nicht rechtzeitig eingegriffen hätte.
So kam es, dass diejenigen, die oftmals eher eine Bedrohung für die in exotischen Regionen vorhandene heimische Flora und Fauna darstellen, plötzlich zu ihren Rettern wurden – die Touristen. Mit der Einführung des Ökotourismus sind im Nationalpark rund 50 neue Jobs entstanden und die von den Touristen gezahlten Eintrittsgelder kommen sozialen Projekten und dem Naturschutz zu Gute. Und anstatt die Wälder abzuholzen arbeiten die Reisbauern nun als Touristenführer im Park und leisten somit auch einen Beitrag zum Erhalt und Gleichgewicht dieser sensiblen Region. So kann es aussehen, ein optimal funktionierendes Beispiel des Ökotourismus.
Doch die Kriterien für den Ökotourismus müssen erst noch genauer festgelegt werden, denn bislang gibt es für diesen noch kein einheitliches „Gütesiegel“. So kommt es, dass sich dieser Markt verselbständigt und man irgendwann nicht mehr so genau weiß, ob sich hinter einem unter als Ökotourismus angepriesenen Urlaubsangebot auch wirklich ein solches befindet. Da alle etwas von diesem vielversprechenden Stück Kuchen abhaben wollen erhoffen sich manche, allein durch sparsame Wasserspülungen oder auch einfach das Angebot einen Fahrradverleihs auf dieser grünen Welle mitschwimmen zu können.
Daher wollen die Vereinten Nationen, Umweltschützer und Tourismusexperten vom kommenden Jahr an Kriterien für ein weltweit gültiges Ökotourismus-Siegel erarbeiten, denn derzeit existieren weltweit rund 400 unterschiedliche Zertifikate für Ökotourismus, von denen viele einfach nur durch gutes Marketing dazu wurden.

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